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Geführter Rundgang auf Greizer Friedhöfen war für

 

 

die Teilnehmer etwas ganz Besonderes

 

Zwei Stunden Greizer Geschichte erlebt

 

Geführter Rundgang auf Greizer Friedhöfen war für die Teilnehmer etwas ganz Besonderes

Stadtführerin Johanna Kühnast begrüßte die zahlreichen Interessenten des Rundganges am Eingang des Unteren Schlosses und erklärte, dass sich genau in diesem Areal der erste Greizer Friedhof befand, der zur Reformationszeit um 1523 bis zum heutigen Dr. Rathenauplatz erweitert wurde. Hier wurden auch die Toten aus der Umgebung bestattet. Eine weitere Ruhestätte, der Pestfriedhof wurde im Gebiet Tryfle, im Bereich unterhalb des jetzigen Kindergartens „Freundschaft“ angelegt.

Der Weg der über dreißig Rundgangsteilnehmer führte durchs Stadtzentrum zum Alten Friedhof mit der Gottesackerkirche mit wechselhafter Geschichte. Sie diente im siebenjährigen Krieg als Feldlazarett und während einer Cholera-Epedemie im Jahr 1866 sogar als Leichenschauhaus. Nach dem großen Greizer Stadtbrand wurden in ihr die Gottesdienste abgehalten. Der Neubau erfolgte in den Jahren 1912 und 1913, heute wird sie leider kaum noch genutzt. Einst waren die Plätze an der Kirchenmauer für Gräber sehr gefragt. Jetzt sind diese nur noch vereinzelt zu sehen. Auf zwei Gräber, darunter die Grabstätte von Chr. Friedr. Horlbeck, nachdem in Greiz eine Straße benannt ist, verwies Johanna Kühnast. 2020 laufen die Verträge für die letzten Gräber auf diesem kirchlichen Friedhof, der 1740 angelegt wurde, aus, und damit wird dieser Gottesacker aufgelöst.

Weiter führte der Weg zum nahe gelegenen Neuen Friedhof zwischen der Leonhardtstraße und dem Krümmetal. Aufgrund der ständig wachsenden Bevölkerung, was nicht zuletzt durch die boomende Textilindustrie ausgelöst wurde, musste diese insgesamt 6,2 Hektar große Anlage eingerichtet werden. Aus Unterlagen geht hervor, dass bereits 1873 ein Gebäude von der Stadt angekauft wurde und der Friedhof gleich zweimal, in den Jahren 1890 und 1902 eingeweiht wurde. Eingangs des Areals, neben der Trauerhalle, verwies die Stadtführerin auf einen neu aufgestellten Übersichtsplan, den die Stadtverwaltung anfertigen ließ. Der Rundgang mit der Besichtigung der meist prunkvoll gestalteten Grabstätten einstiger Fabrikanten, von denen man in der Blütezeit der Greizer Wirtschaft um 1900 etwa 200 zählte und honoriger Bürger war vor allem auch ein Wandeln durch die Geschichte der Perle des Vogtlandes. Allein die Fabrikantenfamilie Schilbach kann auf fünf repräsentative Grabstätten verweisen. Für die älteren Teilnehmer waren vor allem die Namen der Fabrikbesitzer Weitze, Schleber, Golle, Günter oder Arnold noch ein Begriff ebenso wie die Grabstätte der Hoffotografenfamilie Fritz oder von Paul Thomas, der von 1890 bis 1922 Greizer Bürgermeister war und eine Straße nach ihm benannt ist. Das Grab von Professor Albert Wilhelm Kukowka, der 1946 zum ärztlichen Direktor des Greizer Krankenhauses berufen wurde und sich mit rund 500 wissenschaftlichen Schriften weltweit einen Namen auch auf dem Gebiet der Krebsforschung und der Weiterentwickler der Eisernen Lunge gemacht hatte spiegelt ebenso ein Bild der neueren Greizer Geschichte wieder wie das des promovierten Journalisten Frantz Hauschild und seiner Frau Irmgard. Die neu angelegten Gemeinschaftsgrabanlagen machen einen sehr gepflegten Eindruck. An der eindrucksvollen Mollbergschen Grabstätte, dem Begründer des Greizer Gaswerkes, wurde der Rundgang beendet. In einem Gespräch mit den Rundgangsteilnehmern erzählte Friedhofsverwalterin Sabine Pinks, die ebenfalls an dem Rundgang teilnahm, von einer Begegnung mit dem Sohn des ehemaligen, ab 1938 in der Vereinsbrauerei tätigen Direktors Erich Bokus, der ursprünglich das Grab seines Vaters aufgeben wollte. Die Familie Bokus war Eigentümer der Villa in der Schmidtstraße, in die sich die Staatssicherheit nach der Enteignung der Familie einnistete. Der Familie wurde eine Wohnung im Stadtgebiet zugewiesen, durfte aber den Garten zur Bewirtschaftung behalten. Anfang der 1950er Jahre wurde Erich Bokus während der Gartenarbeit im Villengrundstück verhaftet und verstarb später im Gefängnis. Die Familie, die ihn nicht mehr sehen durfte, vermutet bis heute einen unnatürlichen Tod, was auch die damaligen Leichenfrauen, die eine erhebliche Kopfverletzung feststellten, der Familie bestätigt haben sollen. Die Familie verließ 1954 die DDR. „Das ist ein, wenn auch trauriges Stück Greizer Geschichte, die wir mit dem Erhalt dieses Grabes bewahren wollen“, erklärte Sabine Pinks.

„Für uns war der Rundgang beeindruckend. Wir haben auf diese etwas ungewöhnliche Weise viel über die Geschichte der Stadt erfahren können“, sagten Sonja und Rainer Villbrandt.

 

 
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C. F.